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Urlaub mit Elektroauto – 800km nach Italien mit dem Hyundai Ioniq

Ich habe lang überlegt, ob ich diesen Artikel überhaupt schreiben möchte. Denn wieder einmal lenkt er das Augenmerkt auf die falschen 2% des Lebens mit E-Auto. Denn 98% meiner Fahrten sind nun einmal keine Langstrecken, sondern bewegen sich im Bereich unter 100km.

Dass das Elektro-Auto in diesem Bereich einfach so viel besser ist, sollte mittlerweile niemanden mehr überraschen. Keine Tankstellen, einfach am Abend an die Steckdose. Günstiger. Leiser, was vor allem im Stadtverkehr einfach sympathischer ist. Gratis-Parktplätze an Ladestationen in der Stadt. Die Beschleunigung im E-Auto fühlt sich einfach besser an. Das Auto wird im Winter viel schneller warm, vor allem wenn das erste Stück vor der Haustür bergab ist. Für 98% der Fahrten ist das E-Auto einfach die bessere Wahl. Wer etwas anderes behauptet, ist wohl noch nie E-Auto gefahren.

Bleiben die restlichen 2% – und ja, die sind möglich. Man muss nur eben etwas mehr Zeit einplanen.

Unsere Reise: Von daheim, nördlich von Graz, nach Caorle, und wieder zurück. Pro Richtung 400km. Und obwohl es schon E-Autos gibt, die die ganze Strecke schaffen, ohne aufzuladen – unser Hyundai Ioniq gehört nicht dazu.

Ein Wort vorweg: Ich fahre mit dem Ioniq nicht anders als mit anderen Autos. Immer an der Geschwindigkeitsbegrenzung plus eventuell ein paar Prozent nach Tacho. Nur auf der Autobahn bleibt der Tempomat auf maximal 130 (wo erlaubt) eingestellt. Dass man mit dem E-Auto also nur im Schneckentempo dahinkriechen dürfe ist ebenfalls eine lange schon obsolete Feststellung.

Hinfahrt

Wir waren tagsüber unterwegs, mit kleinem Kind waren mehr Pausen also sowieso besser als wenige. Und wir haben uns auch den ganzen Tag für die Fahrt freigehalten. Und weil ich der Ladestation-Situation in Italien nicht so sehr vertraut habe wie in Österreich, habe ich lieber einen Ladestopp mehr gemacht und die Möglichkeit, noch zur nächsten Säule auch zu kommen. Übervorsichtig halt.

  • 1. Etappe: Daheim – Ionity Grafenstein. 142km. Die längste Strecke der Fahrt, und die Ankunft trotzdem noch mit 35% Ladestand. Der Ioniq überrascht mich jedes Mal aufs Neue mit seiner Effizienz. Alle 4 Säulen waren frei, doch auf zweien davon hatte ich Probleme mit der Aktivierung. 18 Minuten, 15,9 kWh geladen. Kosten: 12,59€.
  • 2. Etappe: Ionity Grafenstein – Raststätte Dreiländerecke Arnoldstein. 66km. Das war natürlich eine unnötig kurze Etappe, aber ich wollte vor der Grenze noch einmal eine Pause machen, und Arnoldstein hat sich für eine längere Pause mit Essen angeboten. Wir haben viel länger gebraucht als das Auto – als wir zurück waren, war das Auto natürlich schon wieder voll. Aktivierung mit EinfachStromLaden-Karte. 22 Minuten, 13 kWh. Kosten: 3,17€.
  • 3. Etappe: Arnoldstein – Enel Ladestation Carnia. 68km. Wieder unnötig kurz, aber ich habe Italien noch immer nicht recht vertraut. Da waren wir in einem Wolkenbruch, der dankenswerterweise wieder aufgehört hat. Unser Kind hatte richtig viel Spaß dabei, durch die Pfützen zu laufen, und so waren wir wieder länger dort als ich eigentlich geplant gehabt hätte. Aktivierung funktioniert mit EinfachStromLaden-Karte problemlos. 19 Minuten, 11,5 kWh. Kosten: 2,80€.
  • 4. Etappe: Enel Ladestation Carnia – Enel Ladestation Latisana. 81km. Wir wussten nicht, ob wir vor Ort laden können, deswegen habe ich kurz vor Caorle noch einmal geladen, damit wir nicht darauf angewiesen wären. Aktivierung wieder problemlos möglich, und wieder hatte unser Sohn so viel Spaß, dass wir länger geblieben sind als nötig. 21 Minuten, 13,9 kWh. Kosten: 3,39€.
  • 5. Etappe: Enel Ladestation Latisana – Caorle. 35km.

Insgesamter Durschnittsverbrauch für die exakt 400 km: 14,2 kWh/100km. Macht insgesamt etwa 57,2 kWh Verbrauch für die gesamte Strecke. Da wir von fast 700m Seehöhe bis zum Meer gefahren sind, würde dieser Verbrauch bei der Heimfahrt merklich höher sein. Gesamt waren wir etwa 7 Stunden unterwegs. Das Auto hätte schon schneller können, wir mit dem Kind aber nicht.

Heimfahrt

Diesmal waren wir am Abend und in der Nacht unterwegs. Unser Sohn hat (fast) durchgeschlafen, und so haben wir eine deutlich effizientere Fahrweise anstreben können. Ich habe kurz mit dem Gedanken gespielt, mit nur zwei Ladestopps zu fahren, das war mir aber dann doch etwas zu knapp kalkuliert, außerdem sollten 3 Ladestopps sogar etwas schneller sein (wegen besserer Ladekurve).

  • 1. Etappe: Caorle – Enel Ladestation Carnia. 124km. Zwischen Hin- und Rückfahrt war der 1. September, mit dem Maingau seine Gebühren für das Laden erhöht hat, deswegen kostet die Heimfahrt mit EinfachStromLaden-Karte mehr. 20 Minuten, 15,5 kWh. Kosten: 5,76€.
  • 2. Etappe: Enel Ladestation Carnia – Arnoldstein. 69km. Diese Etappe war wieder etwas kurz, aber wir wussten nicht, wie die Situation an der Grenze sein würde (in der Woche davor war auf dieser Strecke der berüchtigte 12-Stunden-Stau). Deswegen wollten wir noch einmal in Arnoldstein halten. Diesmal habe ich nicht die EinfachStromLaden-Karte, sondern die Energie Steiermark-Karte verwendet. Dort gibt es keine App, deswegen weiß ich noch nicht genau, wie lang wir dort waren oder wie viel das Laden gekostet hat. Die Größenordnung wird gleich sein.
  • 3. Etappe: Arnoldstein – Griffen-Rast. 91km. Die letzte Ladestation direkt an der Autobahn vor der Pack, deswegen haben wir die noch einmal genommen. Dort ging es mit der Smatrics-Ladekarte (womit ich dann alle drei Ladekarten, die ich besitze, ausprobiert habe auf dieser Reise). Die Pause war etwas länger, da eine längere Etappe mit ordentlich vielen Höhenmetern folgt. Hier habe ich bis auf 91% geladen. Dauer: 32 Minuten, Preis: 14,46€.
  • 4. Etappe: Griffen-Rast – Daheim. 118km. Angekommen mit 26% im Akku. Wieder war ich von der Effizienz überrascht.

Gesamter Durchschnittsverbrauch auf der Heimfahrt: 16kWh/100km. Macht gesamt also 64kWh. Gesamtfahrzeit: 5:45. Reine Fahrzeit: 4:15. Diese 90 Minuten extra muss man mit einem E-Auto mit so kleinem Akku (nur 28kWh) einfach einplanen. Wie schlimm das ist, muss jeder selbst für sich entscheiden.

Fazit

Auch längere Strecken sind problemlos möglich, selbst mit einem (mittlerweile und vergleichsweise) winzigen Akku. Es gab zwar einzelne Ladesäulen, die nicht funktioniert haben, aber dort war immer noch eine daneben, die funktioniert hat. Eine Ladesäule war zugeparkt von einem Verbrenner, doch daneben war noch eine frei. Nie musste ich warten, weil alle Ladesäulen besetzt waren. (Ehrlich gesagt: genau zweimal haben wir ein anderes E-Auto beim Laden neben uns gehabt.) Die Lade-Infrastruktur ist schon leicht gut genug auch für Urlaubsfahrten. All die typischen Probleme, vor denen immer wieder gewarnt wird, konnte ich einfach nicht finden. Und das Laden in Italien – von dem ich auch schon schlimme Geschichten gehört habe – hat letztlich sogar besser funktioniert als in Österreich.

Die Preisunterschiede sind teilweise aber schon recht enorm. Ionity und Smatrics sind einfach deutlich teurer als alles, was man mit der EinfachStromLaden-Karte so anfahren kann – passenderweise sind diese beiden Anbieter auch nicht bzw. nicht zum Normaltarif über EinfachStromLaden abgedeckt. Die Gesamtkosten waren aber sogar mit Schnellladesäulen etwas unter dem, was die Fahrt mit einem vergleichbaren Verbrenner gekostet hätte.

Und während die Ladesäulen mittlerweile überall sind – 50kW sind mittlerweile nicht mehr zeitgemäß, und die meisten Ladesäulen liefern eben nur 50kW. Selbst mein Ioniq kann mehr, und neuere E-Autos laden meist mit 100kW und mehr, selbst im gar nicht so hochpreisigen Segment.

Und ja – die zusätzliche Zeit zum Laden muss man in Kauf nehmen. Diese Zeit konnten wir aber fast immer gut nutzen. Langweiliges Warten war die Ausnahme.

Würde ich noch einmal mit dem Ioniq auf lange Strecken in den Urlaub fahren? Ja, unbedingt. Innen war überraschend viel Platz für unser ganzes Gepäck (auch wenn ich meine Tetris-Künste auspacken musste), und die Reise mit einem leisen Elektro-Antrieb ist schon deutlich angenehmer als mit einem vergleichsweise lauten und vibrierenden Diesel.

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