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Was ein Science Fiction-Autor wissen muss: Tod im Vakuum

Ein sehr häufiges Thema in der Science Fiction ist der Tod im Vakuum. Das Raumschiff hat ein Leck, der Raumanzug wird von herumfliegenden Teilen aufgerissen, Menschen werden zur Strafe ins All „geflutet“. Aber so oft dieses Thema auch vorkommt, so unterschiedlich sind die Vorstellungen darüber, was dort eigentlich passiert – also was passiert mit einem Menschen, wenn er dem vollständigen Vakuum des freien Raums ausgesetzt wird?

 

Zuerst einmal ist diese Frage gar nicht so einfach zu beantworten, weil noch nie ein Mensch an einem Vakuum-Unterdruck gestorben ist. Zwar hatte die NASA einen Unfall bei einem Test, der Astronaut starb dabei aber (zum Glück) nicht. Ich werde hier einfach ein paar populäre Szenarien ansprechen und auf die wissenschaftliche Haltbarkeit überprüfen.

 

Man friert sofort zu einem Eisblock

Da es im Weltraum mit etwa -270°C sehr kalt ist, müsste man sofort gefrieren. Und diese (falsche) Interpretation findet sich in zahlreichen Filmen wieder. Wie ich aber bereits im Artikel Was ein Science Fiction-Autor wissen muss: Wärme im Weltraum geschrieben habe, geht dieser Wärmeverlust im Vakuum nur sehr langsam von sich. Da wir Menschen sogar Wärmeproduzenten sind, dürfte das eigentliche Problem auf längere Zeit sein, dass unser Körper überhitzt, vor allem innerhalb eines Sonnensystems, wo das Licht der Sonne ebenfalls noch einmal aufheitzt. Die Temperatur ist aber jedenfalls nicht die unmittelbare Todesursache im Vakuum.

 

Man erstickt

Da es im Vakuum keine Luft gibt und damit keinen Sauerstoff, erstickt man einfach. Auch dieses Bild taucht immer wieder in der Science Fiction auf – friedlich im Weltraum treibende Menschen, die bloß irgendwann nach Luft zu ringen anfangen. Ob man im Weltraum tatsächlich ersticken würde oder nicht, hängt vor allem davon ab, wie schnell die anderen Gefahren zum Tod führen könnten. Der Luftmangel ist jedenfalls im Verlauf von einigen Minuten bereits tödlich – wenn man dem Vakuum aber tatsächlich ausgesetzt ist, wird man sich vermutlich eher wenige Gedanken über fehlende Atemluft machen, dazu sind andere Probleme zu dringlich.

 

Man platzt

In der Erde sind wir der dauernden Schwerkraft und damit einem hohen Luftdruck ausgesetzt. Wir spüren diesen Druck nicht, weil er gleichermaßen von innen als auch von außen wirkt, sich damit also neutralisiert. Fällt der äußere Druck aber weg, so könnte man doch platzen – auch das findet man in der Science Fiction immer wieder. Auf der Erde können wir Ähnliches beobachten: Nimmt man eine Plastikflasche mit auf einen Berg, dann merkt man am Gipfel, dass sie sich deutlich aufgebläht hat. Das ist, weil der Luftdruck von außen nicht mehr ausreicht, um den Luftdruck im Inneren der Flasche zu neutralisieren. Im Vakuum müsste also die Luft in unserem Körper sich so schnell ausdehnen, dass wir einfach platzen.

Ganz so einfach ist die Sache aber auch nicht, denn der Luftdruck, von dem wir hier reden, beträgt ein bar, also einen Atmosphärendruck. Das hält ein Großteils unseres Körpers mit Leichtigkeit aus. Es platzt uns definitiv nicht der Schädel auf, und auch die Haut platzt nicht einfach auf. Aber: Zahlreiche kleine Blutgefäße werden dem Druck nicht standhalten und nach und nach anfangen zu platzen, zuerst wahrscheinlich vor allem in den Augen.

Der Unterdruck würde uns außerdem die Atemluft sehr schnell aus der Lunge pressen – ob das willentlich zu verhindern ist oder nicht, habe ich bei einer Recherche leider nicht feststellen können.

Unsere Körpferflüssigkeiten fangen zu kochen an

Nun, das stimmt teilweise. Je niedriger der Luftdruck, desto niedriger der Siedepunkt von Wasser (und anderen Flüssigkeiten, natürlich). Wasser hat bei einem Außendruck von etwa 0,07 bar nur noch einen Siedepunkt von etwa 40-45°C. Bei noch geringerem Druck dürfte der Siedepunkt noch weiter sinken – wohl auch unter die etwa 37°C unseres Körpers, womit wir auch direkt anfangen würden zu kochen. Zuerst würde man wohl spüren, dass der Speichel auf der Zunge anfangen würde zu kochen, aber auch die Tränenflüssigkeit in den Augen. Da aber in den Blutgefäßen noch ein Restdruck zurückbleiben würde, würde das Blut nicht sofort anfangen zu kochen – auch eine Erklärung für das Platzen, die immer einmal wieder auftaucht – und die sich als falsch herausstellt.

Man wird verstrahlt

Die Strahlung im freien Weltraum ist sehr stark und potenziell tödlich. Auf der Erde schützen uns die Atmosphäre und das Magnetfeld der Erde vor dem schädlichen Einflüssen des Weltraums, ohne diese Schutzmechanismen ist man der Weltraumstrahlung jedoch schutzlos ausgeliefert.

Da die Raumanzüge unserer Astronauten jedoch auch eine dicke Bleiummantelung besitzen, kann die Strahlung nicht sofort tödlich sein. Aber schon Piloten und Flugbegleiter sind hohen Strahlenbelastungen ausgesetzt, die sich teilweise im Bereich der Grenzwerte bewegen können – jedoch geht es hier um Belastungen, die potenziell auf lange Sicht womöglich schädliche Folgen haben. Vom Tod innerhalb weniger Minuten brauchen wir hier nicht reden, vor allem, da immer noch Astronauten der 60er- und 70er-Jahre am Leben sind. Wenn man also an die Mondlandung glaubt, muss man sich auch eingestehen, dass die Strahlung im Weltraum zwar vorhanden, aber nicht sofort tödlich ist.

Dekompressionskrankheit

Gemeinhin auch als Taucherkrankheit bezeichnet, ensteht, wenn der Außendruck sehr schnell sinkt, was im Vakuum also der Fall wäre. Durch das Auslösen von Gasen in den Blutgefäßen würde es zu Gasembolien kommen, die den Blutkreislauf unterbrechen können und damit die Sauerstoffzufuhr.

 

Und genau das ist letztlich wohl auch das, was unmittelbar zum Tod führt: Der Blutkreislauf würde innerhalb kurzer Zeit zum Erliegen kommen und die Sauerstoffversorgung des Gehirns würde damit nicht mehr gegeben sein. Die Folge ist Ersticken, selbst, wenn noch Sauerstoff in der Lunge vorhanden sein sollte (es führt also nicht der Sauerstoffmangel zum Tod durch Ersticken, sondern der fehlende Außendruck). Wie viel man davon aber noch mitbekommt, also wie schnell die Bewusstlosigkeit eintritt, konnte ich leider nicht herausfinden. Da aber vor allem die Blutgefäße in unserem Kopf besonders gut vor Druckveränderungen geschützt sind (also das Gehirn), sollte ein großer Teil des Todeskampfs bei Bewusstsein stattfinden.

 

Selbst, wenn man innerhalb kurzer Zeit wieder aus dem Vakuum gerettet wird, ist es aber schwierig, das Leben noch zu retten. Schon bei der klassischen Taucherkrankheit muss ein großer Aufwand getrieben werden, um den Körper noch mit genügend Sauerstoff versorgen zu können, war er erst einmal für mehr als 20 oder 30 Sekunden dem Vakuum ausgesetzt, ist auch eine Rettung wahrscheinlich nicht mehr ausreichend, um das Überleben noch zu gewährleisten – die Gasblasen in den Blutgefäßen unterdrücken eine Blutzirkulation, und selbst eine Reanimation kommt dagegen nur schwer an.

 

Wie immer ist das auf Recherche aus dem Internet gestützt. Verlässliche Informationen zu diesem Thema sind aber nur schwer zu finden, deswegen ist das alles auch nur eine Form eines „Educated Guess“. Sollte ich augenfällige Fehler gemacht haben, freue ich mich, darauf aufmerksam gemacht zu werden.

Published inLiteraturScience Fiction

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