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Was ein Science Fiction-Autor wissen muss: Einleitung

Science Fiction – wahrscheinlich mein liebstes Genre in der Literatur und im Fernsehen. Die Science Fiction bietet den Ausblick auf unendliche Welten, weit über den Horizont der Menschen auf der Erde hinaus. Sie bietet Weltraum-Abenteuer, fremde Wesen und soziologische Probleme, wie sie auf der Erde niemals auftreten könnten. Ein Spielplatz für Konzepte in der Literatur, die ohne Phantastik nicht möglich wären.

Das Problem

Doch hat die Science Fiction ein deutliches Problem: In ihrer Popularität hinkt sie deutlich der Fantasy hinterher, obwohl die beiden auf den ersten Blick recht ähnlich zu sein scheinen: In beiden wird eine fiktive Welt aufgebaut, die mit unserer nicht unbedingt kompatibel sein muss. In dieser fiktiven Welt wird dann eine Geschichte erzählt. Doch was SF von Fantasy unterscheiden sollte, ist der Anspruch, technisch und physikalisch korrekt zu argumentieren. Während in der Fantasy die Ausrede „Magie“ gang und gäbe ist, darf man sich in der SF nicht so viele Freiheiten erlauben. Dennoch kann natürlich auch die SF ein bisschen kreativ sein in ihrer Auslegung der Naturwissenschaften, denn sonst wäre es nach heutigem Wissensstand nicht möglich, dass ein Raumschiff überlichtschnell reist. Diese Kreativität in der Auslegung der Physik muss jedoch deutlich begrenzt sein, und als Erklärung muss eine Erklärung geboten werden, die etwas mehr Fleisch hat als zu sagen, es handle sich um „Magie“, sonst wird die Grenze zur Fantasy überschritten.

Daher ist es aber nötig, dass sich ein SF-Autor mit seiner Materie auch auskennt. Das sollte wenig überraschend sein, denn von jedem Autor historischer Romane wird auch erwartet, dass er sich in der entsprechenden Geschichtsperiode sehr gut auskennt, und ein Fantasy-Autor sollte seine fiktive Welt besser in- und auswendig kennen, ein Autor von Detektiv-Geschichten sollte Ahnung darüber haben, wie Polizeiarbeit in der Praxis aussieht.

Dennoch haben viele SF-Autoren immense Probleme dabei, sich in Vakuum, Weltraum und Biologie zurechtzufinden. Die hauptsächliche fachspezifische Bildung, die viele SF-Autoren wahrscheinlich erfahren, ist das Lesen anderer SF-Romane, und so pflanzen sich Fehler und Ungenauigkeiten von einer Generation von SF-Romanen zu nächsten fort. Dabei wäre es gar nicht einmal schwierig, sich ein bisschen mit der Wirklichkeit zu beschäftigen – und dringend nötig.

Nehme ich das ein bisschen zu ernst? Handelt es sich nicht doch nur einfach um Literatur, in der alles erlaubt ist?

Ich finde nicht. Die einfachsten Tatsachen sollten zumindest korrekt sein, sonst verliert ein Roman sehr schnell an Glaubwürdigkeit. Wie oft habe ich im Fernsehen schon die altbekannte Szene gesehen, in der sich die Besatzungsmitglieder in Decken gehüllt versuchen, warm zu halten, weil die Heizung an Bord ausgefallen ist? Und wie oft habe ich schon im freien Weltraum schwebende Menschen gesehen, um Luft ringend, kurz vor dem Ersticken?

Beides mag sich zwar zuerst einmal ganz interessant anhören, und auch ganz interessante Szenen machen – aber beides ist aus wissenschaftlicher Sicht einfach nur Humbug, und ein Autor, der für solche Szenen verantwortlich ist, hat sich als Amateur enttarnt. Alles, was sonst aus seiner Feder kommt, kann nicht mehr glaubwürdig sein, weil seine Welt einfach nicht glaubwürdig ist – denn genau so könnten diese Szenen in Wirklichkeit nie ablaufen. Und auch nicht in sehr eng an die Wirklichkeit angelehnten fiktiven Welten.

Meiner Meinung nach gilt der Grundsatz für fiktive Welten: Alle grundlegenden Prinzipien (wie Naturgesetze) sind dort gleich wie in unserer realen Welt, sofern der Autor das nicht explizit anders ausführt.

Mein Lösungsansatz

Also trage ich hier auf meiner Homepage im Laufe der Zeit einige dieser sehr typischen Probleme in der Science Fiction zusammen, die immer wieder auftauchen und mit der Wirklichkeit und unseren Naturwissenschaften nicht vereinbar sind. So kann im Laufe der nächsten Monate und Jahre ein kleines Kompendium zum Thema „Was ein Science Fiction-Autor wissen muss“ entstehen. Zwar glaube ich nicht, dass sich die SF-Literatur wegen dieser Artikel grundlegend ändern wird – aber wenn zumindest ein Autor einen dieser typischen Fehler findet und vermeidet, habe ich der SF-Literatur schon etwas Gutes getan.

 

Noch eine kleine Anmerkung voraus: Ich bin natürlich weder Physiker, Astronom, Biologe, Mikrobiologe, Chemiker oder sonst ein Profi in den meisten der entsprechenden Bereiche, über die ich schreiben werde. Dementsprechend werde ich eher überblicksmäßig auf die einzelnen Themen eingehen, und manches auch nur gerade so stark anschneiden, wie ein SF-Autor das meiner Meinung nach wissen muss. Sollte ich aber dennoch einen Fehler gemacht haben – schreiben Sie mir. Ich bin froh, dazulernen zu können.

 

Fotocredit: pixabay

Published inLiteraturScience Fiction

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