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European Youth Award 2016

Die letzten Tage war ich auf dem European Youth Award. Die Technische Universität Graz hat mich dort zu dem Internationalen Studentenprojekt eingeladen, und dort habe ich zusammen mit meiner Gruppe eine Review über ein Gewinnerprojekt gemacht.

Der EYA ist eine Award-Verleihung für digitale innovative Projekte mit einem sozialen Hintergrund und wird in mehreren Kategorien verliehen. Das Projekt, das meine Gruppe und ich zugeteilt bekommen haben, ist Animal Hero Universe, ein multimediales Projekt, das die kognitive Entwicklung von Kindern mit Down-Syndrom fördern soll. Kern des Projekts ist ein Kinect-Spiel, das körperliche Bewegung auf eine spielerische Art und Weise fordert und fördert.

Die Anzahl der großartigen Projekte bei dem Award war gewaltig. Meine Lieblingsprojekte waren wahrscheinlich Be My Eyes, eine App, die blinde und sehbehinderte Menschen über einen Internet-Livestream mit gesunden vernetzt, damit die Freiwilligen ihnen quasi ihre Augen „borgen“ können, sowie das Projekt fresh.land, das die Zwischenhändler zwischen dem Lebensmittelhandel und dem Bauern komplett ausschalten soll. Dafür bietet das Projekt eine Art Marktplatz, auf dem die Nachfrage des Handels direkt mit dem Angebot des Bauern zusammengeführt wird.

Eigentlich waren fast alle Projekte großartig und hatten eine Menge Potenzial. Jedoch nicht das Siegerprojekt. FreeCom hat die interessante Idee, Smart Phones direkt miteinander zu vernetzen (W-LAN, Bluetooth, NFC etc.), um Handys ohne Internetverbindung eine Internetverbindung bieten zu können. Das Ziel des Projektes ist also so eine Art eigenes kleines Internet, das mit dem großen Internet verbunden ist. Jedoch ist von dem Projekt noch nicht viel da: Eine App, die nicht wirklich funktioniert, und die noch Sicherheitslücken hat, die so groß sind, dass dort ganze andere Projekte hineinpassen. Warum dieses Projekt dennoch gewonnen hat? Wahrscheinlich, weil der Project Owner ein ehemaliger syrischer Flüchtling ist, der jetzt in Deutschland lebt. So jemanden gewinnen zu lassen sieht natürlich großartig aus für den EYA. Dass sich der Award damit eigentlich selbst ein bisschen lächerlich gemacht hat, liegt da fast schon auf der Hand.

Doch woran konnte das genau liegen? FreeCom hat eine Menge offensichtlicher Probleme. Meiner Meinung nach wurde eine wichtige Ressource nicht genutzt: die Studentenprojekte. Denn immerhin haben eine Menge Studenten auf der ganzen Welt sich mit den Siegerprojekten beschäftigt und Reviews dazu verfasst. Würde man diese Reviews der Jury zur Verfügung stellen, hätte die Jury eine zusätzliche, etwas neutralere Perspektive auf die Projekte. Dass sich die Jury nicht mit allen ~15 Siegerprojekten detailliert auseinandersetzen können, ist einleuchtend und auch in Ordnung. Dennoch sind die Probleme der digitalen Welt zu komplex, um sie durch eine oberflächliche Bewertung beurteilen zu können. Hätten die Jury-Mitglieder den Bericht der Studenten gehabt, die die FreeCom-App installiert und ausprobiert haben und sich etwas genauer damit beschäftigt, dann wären sie womöglich zu einem anderen – besseren – Ergebnis gekommen.

Abgesehen davon war der EYA jedoch ein hervorragend organisiertes Event, das mit interessanten Vorträgen, Workshops, Menschen und Ideen vollgestopft war. Junge Menschen aus unterschiedlichen Ländern sind hier zusammengekommen und konnten sich austauschen. Genau so soll der europäische Geist unserer Zeit aussehen: gemeinschaftliches, konstruktives Arbeiten an den Problemen unserer Zeit, ohne Landessprachen, Volksgruppenzugehörigkeit, Nationalität oder Ähnliches diesen Fortschritt behindern zu lassen. In dieser Hinsicht leistet der EYA auf jeden Fall einen wichtigen Beitrag zum Projekt Europa.

 

Fotocredit: pixabay

Published inComputer Science

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