Zum Inhalt

Barfußlauf – ein Selbstversuch

Bei Recherche über richtige Lauftechnik und Lauftraining allgemein stößt man immer wieder auf das Konzept vom Barfußlaufen. Manche Menschen sollen nur barfuß laufen. Abebe Bikila gewann 1960 einen olympischen Marathon – ohne Schuhe. Und die Theorie dahinter ist auch sehr einleuchtend: Gut gedämpfte Schuhe zu haben verleitet dazu, weniger gelenkschonend (also biomechanisch „falsch“) zu laufen. Barfuß zu sein zwingt zu einer richtige(re)n Lauftechnik.

 

So weit die Theorie. Bisher konnte ich mich noch nicht dazu durchringen, selbst einmal auf die Schuhe zu verzichten. Winter, Angst vor Glasscherben und ein allgemeines „Man läuft einfach nicht ohne Schuhe“ haben das verhindert. Bis vor einer Woche eben.

 

Nach einem normalen Lauf mit Schuhen habe ich die Schuhe ausgezogen und bin noch ein paarhundert Meter die Straße vor dem Haus auf und ab gelaufen. Und damit kann ich mich endlich als jemanden bezeichnen, der Barfußlauf schon einmal ausprobiert hat.

 

Was sind meine Erkenntnisse?

Ein typisches Gegenargument gegen das Barfußlaufen ist „Unser Körper mag dafür gebaut zu sein, barfuß zu laufen, aber nicht auf Asphalt“. Zugegeben, ich bin noch keine langen Strecken auf Asphalt gelaufen, aber die auf Asphalt nötige Barfuß-Lauftechnik ist viel gelenkschonender als eine falsche Lauftechnik mit Schuhen. Und auf hartem Untergrund falsch zu laufen tut einfach weh, deswegen tut man es auch nicht. Dieses Argument lasse ich also einfach nicht gelten. (Ich war richtig überrascht, wie wenig der harte Untergrund stört.)

Zweite Erkenntnis: Auch daran muss man sich gewöhnen. Nicht, weil der Körper die Belastung nicht aushalten würde – es geht quasi nur um die Fußsohlen. Ich habe mir in weniger als einem Kilometer barfuß auf Asphalt ein paar Blasen gerieben, und zwar auf der Fußsohle. Meine Erkenntnis daraus: Die Schwachstelle ist die Haut, die nicht an die Belastung gewöhnt ist. Das bekommt man aber schnell durch konservatives Anfangen und gemächliches Steigern des Umfangs in den Griff. So, wie es im Sport sowieso sein sollte.

Dritte Erkenntnis: Barfußlaufen bietet sich bei etwas höheren Geschwindigkeiten viel mehr an. Läuft man zu langsam, kommt man kaum in diese rollende Bewegung, die eben der Grund ist, warum Barfußlauf praktiziert wird. Ich bin immer im Tempobereich von 5:00 min/km oder schneller gelaufen, und das macht Spaß und fühlt sich für den Körper auch sehr angenehm an. Für klassische E Runs ist Barfußlauf deswegen nicht wirklich geeignet, zumindest nicht, ohne dass man sich schon lange Zeit über daran gewöhnen konnte.

 

Werde ich weiterhin barfuß laufen?

Ja, wenn das Wetter passt, werde ich nach einem E Run einfach meine Schuhe ausziehen und ein paar Mal in der Gasse hin- und herlaufen, einfach um meinem Körper eine gelenkschonende und richtige Lauftechnik einzutrainieren. Ich kann mir auch vorstellen, die intensiveren Intervalle ohne Schuhe zu laufen; längere E Runs werde ich aber weiterhin mit Schuhen laufen.

 

Ich sehe jeden Tag am Murradweg unzählige Läufer, und fast alle (!) davon haben eine suboptimale Lauftechnik. Bei fast jedem hört man das viel zu laufe Aufstampfen auf dem Boden, und immer habe ich Mitleid mit Knie- und Hüftgelenk. Ich kann mir schon vorstellen, dass die meisten Menschen deswegen vor Barfußlauf zurückschrecken, weil sie mit gut gedämpften Schuhen schon Gelenkschmerzen bekommen. Die Lösung ist aber nicht ein noch besser gedämpfter Schuh, sondern eine richtige Lauftechnik.

Eigentlich finde ich es erschreckend, wie viele Läufer – und auch Trainer – es gibt (auch ernsthaftere Wettkampfläufer), die sich offensichtlich noch nie mit dem Thema Lauftechnik auseinandergesetzt haben können (obwohl es im Internet unzählige Videos und Anleitungen dazu gibt). Allein deswegen wäre das Barfußlaufen so sinnvoll: es trainiert eine richtige Lauftechnik und dient damit der Verletzungsprophylaxe.

 

(Dass im Trainergrundkurs zwar immer wieder über Laufen geredet, aber die richtige Lauftechnik nicht behandelt wird, kreide ich der BSPA schon an. Das wäre viel wichtiger als einen Conconi-Test durchführen zu können.)

 

Bildcredit: pixabay.com

Published inLaufsport

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*